Erinnerungen an Genschers „Halbsatz“

Am 22. August 1990 tagte die DDR-Volkskammer und entschied letztlich die Auflösung der DDR und erklärte den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes, dies mit Wirkung vom 3. Oktober 1990. Dies mit 294 Zustimmungen von insgesamt 363 abgegebenen Stimmen. Es waren ohne Zweifel große historische Tage für das wiedervereinigte Deutschland. Die DDR war politisch und wirtschaftlich am Ende. Vorausgegangen waren die großen Montagsdemonstrationen, u.a. in Dresden, die auch dazu führten, dass immer mehr DDR-Bürger sich für die Flucht über Ungarn und die CSSR (Tschechoslowakei) entschieden, um von hier aus in die Bundesrepublik Deutschland zu gelangen.

Eine besondere Rolle spielte dabei die Deutsche Botschaft in Prag, in der sich seit Anfang September 1989 tausende von DDR-Bürgerin auf dem Botschaftsgelände aufhielten. Es waren schließlich 4000 Flüchtlinge, die hier vorläufig sicher campierten, dies unter teils einfachsten Bedingungen.

Einer der 4000 geflüchteten Bürgern aus der DDR war der junge Jens Ahnemüller, der den beschwerlichen Weg von Apolda in Thüringen und seine nicht ungefährliche Fluchtreise nach Prag antrat. Er erinnert sich noch heute, 30 Jahre danach, sehr genau an die täglichen Lebensbedingungen, die damals auf dem Gelände der Deutschen Botschaft in Prag herrschten.

Für ihn, heute Landtagsabgeordneter im RLP-Landtag, waren es Stunden der Hoffnung, der Verzweiflung, der steten Ungewissheit, was nun mit ihm und den anderen geflüchteten DDR-Bürgern in der Prager Botschaft passieren würde. Wer so etwas persönlich nicht erlebt hat, wird kaum/nicht nachvollziehen können, welche Selbstzweifel in solch einer prekären Situation bei den Betroffenen entstehen. Denn es hätte durchaus heißen können, zurück in die DDR, und dann unter extrem erschwerten Bedingungen, oder vielleicht doch die glückliche Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland? Und dann kam der erlösende Augenblick, als der damalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher am späten Abend des 30. September  1989 vom Balkon des Palais Lobkowicz der deutschen Botschaft  die erlösenden, die mehr als befreienden Worte, den berühmten Halbsatz sprach:“ Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute die Ausreise …… (möglich geworden ist“). Der letzte Halbsatz ging jedoch im Jubel der Menge unter. Man sah Tränen in den Augen der geflüchteten DDR-Bürger, teils vor Freude hüpfender Menschen, innige Umarmungen und eine sichtbare ungemeine Erleichterung bei den  dort ausharrenden Menschen, die auf dem schlammigen, durchnässten Rasen standen. Und wie es Hans-Dietrich Genscher nach seiner kurzen Rede gegenüber Medienvertretern sagte: „Dies war der bewegendste Augenblick in meiner politischen Laufbahn.“

Am 3. Oktober 2019 feiern wir den „Tag der Deutschen Einheit“, der im Einigungsvertrag 1990 zum gesetzlichen Feiertag in Deutschland bestimmt wurde. Am 9. November 1989 fiel dann die stark gesicherte Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten. Die Mauer fiel, für Tausende begann der Weg in die Freiheit. Prag hat gezeigt was unsere Parteifreunde Höcke zeigen und Ahnemüller leben: Die Vielfalt macht uns groß und die Einigkeit macht uns stark!

Oktober 1, 2019

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