Leserbrief

Den folgenden Leserbrief, den wir so vor kurzem in einer Trierer Zeitung entdeckt haben, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

Die (über-)große Karl-Marx-Statue in Trier ist fehl am Platz

Ein Denk-/Mahnmal für die Opfer des Kommunismus wäre angebrachter !

Mehr denn je stelle ich mir die Frage, wie stark uns weiterhin das ideologisch linke Lager mit seinen Argumenten, mit der damit verbundenen einseitigen historischen Geschichtsbetrachtung, insbesondere zum 200-jährigen Geburtsjubiläum von Karl Marx, dominiert.

Denken wir alle, die als Verfolgte und Opfer den Kommunismus erlebten, unter ihm litten und dabei oftmals den Tod fanden. Es macht einen schon sehr betroffen, wie die Stadt Trier ihre Erinnerungskultur an den gefährlichen Gesellschaftstheoretiker in diesem Jahr feiert –  bis hin zur Marx-Männchen-Figur an Ampeln.

Trauer, Wut und Verzweiflung herrschen bis heute bei jenen, die in Gefängnissen oder Arbeitslagern diese Tortur überlebten. Wenn nun Trier den wissenschaftlichen Vordenker des Kommunismus, Karl Marx, mit seiner weltweiten Bedeutung auf das große „Jubiläumsschild“ hebt, stimmt dies in ihrer politisch gewollten Einseitigkeit der Auslegung mindestens sehr nachdenklich.

Aus meiner Sicht hätte eine Gedenkveranstaltung an den Publizisten und Gesellschaftskritiker Karl Marx ausgereicht, allerdings auch unter Einbindung der negativen Auswirkungen, die seine wissenschaftlichen Werke in den folgenden Jahrzehnten in kommunistischen Staaten auslösten.

Die am 5. Mai auf dem Trierer Simeonstiftplatz von China gestiftete Karl-Marx-Statue soll an einen großen Deutschen erinnern.

Kult, Ideologie und einseitige Geschichtsbetrachtung vermischen sich zu einer Verklärung für einen Mann, der am 5. Mai 1818 in Trier geboren wurde.

Insgesamt gibt es keinen Grund, des Autors des „Kapitals“ positiv zu gedenken. Denn der Trierer Sohn war auch der Wegbereiter für den sich später entwickelnden Marxismus-Leninismus, der für Terror und politische Intoleranz steht, dem schätzungsweise 100 Millionen Andersdenkende zum Opfer fielen.

Dies spielt leider für viele politische Mandatsträge der etablieren Alt-Parteien nur noch eine untergeordnete Rolle.

Karl-Marx war kein Philosoph im klassischen Sinne, sondern ein revolutionärer, kämpferisch veranlagter Kapitalismus-Kritiker.

Aus seinen Schriften, Briefen etc. geht zudem eindeutig hervor, dass er ein ausgewiesener Antisemit war (u.a. 1843 sein Beitrag zur Judenfrage). Ihm war zudem auch klar, dass seine revolutionären Prozesse zu Gewalt gegen Unschuldige führen würde.

Folglich irrt Ministerpräsidentin Malu Dreyer schlichtweg, wenn sie behauptet, Karl-Marx sei nicht verantwortlich für das, was der Kommunismus an Terror anrichtete..

Ohne Zweifel war Karl Marx ein wissenschaftlich arbeitender Ökonom, der die damaligen Abläufe des Kapitalismus im 19. Jahrhundert klar und zusammenhängend beschrieb, und daraus auch seine Schlussfolgerungen zog, z. B. „Proletarier aller Länder vereinigt euch“. Sein Grundtenor war „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“.

Was oft ausgeklammert wird, ist, dass Marx ohne Skrupel auf Kosten anderer lebte. Ohne Friedrich Engels hätte er nie so komfortabel in London leben können, er wäre finanziell ruiniert gewesen.

Das dreibändige Standardwerk „Das Kapital“ wurde millionenfach aufgelegt, und sicher nur von wenigen komplett gelesen. Der Grund: Vieles erscheint zusammengewürfelt, bleibt in vielen Passagen sehr umständlich und daher sehr schwer zu lesen.

Die ökonomischen Gesamtbetrachtungen von Marx sind nur für die Zeit des 19. Jahrhunderts gültig. Er hat wohl auch nicht damit gerechnet, wie wandlungsfähig sich der Kapitalismus bis heute zeigte (obwohl man in vielen lohnabhängigen Bereichen sicher von anhaltender und/oder versteckter Ausbeutung sprechen kann).

Wer heute jedoch behauptet, Marx habe nicht ahnen können, was seine gesamtgesellschaftliche Kapitalismuskritik bewirken könne, liegt ebenso falsch (nachzulesen in verschiedenen Schriften von Marx und Engels „Ein Gespenst geht um in Europa -das Gespenst des Kommunismus“).

Wenn Trier nun Karl-Marx auf das Schild eines sehr bedeutenden „Welt-Mannes“ hebt, geschieht dies unter Ausklammerung der Fakten, die Marx im negativen Sinne bewirkte.

Mit dem Denkmal in Trier wird auch eine linke Ideologie fortgesetzt, die bei genauer Betrachtung die Geschichte verfälscht. Geprägt von Intoleranz gegenüber jenen, die unter dem Marxismus-Leninismus gelitten haben. Und wenn sie überlebten, der Ideologie des Marxismus den Rücken kehrten und sich durch Flucht dem Klassenfeind zuwandten und gen Wesen flüchteten/ausreisten.

So auch die zahlreichen Flüchtlinge der Prager Botschaft in 1989.

Ein Denkmal in Trier sollte im Prinzip ein Mahnmal für die 100 Millionen Opfer sein, die im Namen des Marxismus den Tod fanden.

Zu empfehlen ist an dieser Stelle u.a. das Buch „Archipel Gulag“ des russischen Autors Alexander Solschenizyn. Wer zudem in der DDR nach der Wende 1989 beispielsweise die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen besuchte, erhielt ein bedrückendes Bild über die menschenunwürdigen Überwachungsmethoden eines „Arbeiter- und Bauernstaates“. Aber die gut gemeinten Ideen und die Realität klaffen im Laufe der Zeit für viele spürbar auseinander. Die verschiedenen Schritte bei der politischen Umgestaltung brachten auch in der Wirtschaft  nicht die erhofften Erfolge.

Ich stelle mich aus Überzeugung auf die Seite der Menschen, die unter der Willkür kommunistischer Systeme umgekommen sind oder als Überlebende die Grauen totalitärer Systeme leidvoll  erfahren haben. Eine „Vergessenskultur“ für die Leidtragenden in den kommunistischen Ländern, die den Marxismus auf ihre Fahnen geschrieben hatten, ist hier nicht angebracht.

Nostalgisches Denken mit Erinnerung an das Leben und den wegweisenden kapitalismuskritischen Werken des Gesellschaftskritikers Karl Marx ist nur unter einer umfassenden Auseinandersetzung zum Marxismus einer einst bedeutenden römischen Gründung würdig.

Mai 21, 2018

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